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Parmenides
Über die Natur
Fragmente

  

 

" ... Das Rossegespann, das mich fährt, zog mich fürder, soweit ich nur wollte,
nachdem es mich auf den vielgerühmten Weg der Göttin geleitet, der den wissenden Mann durch alle Städte führt.


Dorthin also ging meine Fahrt; dort fuhren mich nämlich die vielverständigen Rosse, die den Wagen zogen,
und die Mädchen wiesen den Weg.

Die Achse knirschte sich heißlaufend in den Naben mit pfeifendem Tone,
wenn die Heliadenmädchen, welche das Haus der Nacht verlassen
und nun den Schleier von ihrem Haupte zurück geschlagen hatten, die Fahrt zum Lichte beeilten.

Da steht das Tor, wo sich die Pfade des Tages und der Nacht scheiden;
Türsturz und steinerne Schwelle hält es auseinander;
das Tor selbst, das ätherische (!), hat eine Füllung von großen Flügeltüren;
die wechselnden Schlüssel verwahrt Dike, die gewaltige Rächerin.


Ihr nun sprachen die Mädchen mit Schmeichelworten zu und beredeten sie klug,
ihnen den verpflöckten Riegel geschwind von dem Tore zu stoßen.

Da sprang es auf und öffnete weit den Schlund der Füllung,
als sich die erzbeschlagenen Pfosten, die mit Zapfen und Dornen eingefügten,
nach einander in ihren Pfannen drehten.

Dorthin mitten durchs Tor lenkten die Mädchen stracks dem Geleise nach Wagen und Rosse.

Da nahm mich die Göttin huldreich auf.

Sie ergriff meine Rechte und sprach mich mit folgendem Worte an:

"Jüngling, der Du unsterblichen Lenkern gesellt mit dem Rossegespann, das Dich trägt, unserem Hause nahst, sei mir gegrüßt!

Kein böser Stern leitete Dich auf diesen Weg , sondern Recht und Gerechtigkeit.

So sollst Du denn alles erfahren: der wohlgerundeten Wahrheit unerschütterliches Herz und der Sterblichen Wahngedanken,
denen verläßliche Wahrheit nicht innewohnt.

Doch wirst Du trotzdem auch das erfahren, wie man bei allseitiger Durchforschung annehmen müßte, daß sich jenes Scheinwesen verhalte.

Doch von diesem Wege der Forschung halte Du Deinen Gedanken fern
und laß Dich nicht durch die vielerfahrene Gewohnheit auf diesen Weg zwingen,
Deinen Blick den ziellosen, Dein Gehör das brausende, Deine Zunge walten zu lassen:
nein, mit dem Verstande bringe die vielumstrittene Prüfung, die ich Dir riet, zur Entscheidung.

Es bleibt Dir dann nur noch Mut zu Einem Wege.

Betrachte wie doch das Ferne Deinem Verstande zuverläßig nahe tritt.
Denn er wird ja das Seiende nicht aus dem Zusammenhange des Seienden abtrennen,
weder so, daß es sich in seinem Gefüge überall gänzlich auflockere, noch so, daß es sich zusammenballe.

Ein Gemeinsames aber ist mir, wo ich auch beginne. Denn dahin werde ich wieder zurückkommen.

Wohlan, so will ich denn verkünden, welche Wege der Forschung allein denkbar sind:

Der eine Weg, daß IST und daß es unmöglich nicht sein kann, das ist der Weg der Überzeugung ,

der andere aber, daß es NICHT ist und daß dies Nichtsein notwendig sei, dieser Pfad ist gänzlich unerforschbar.

Denn das Nichtseiende kannst Du weder erkennen noch aussprechen. Denn Denken und Sein ist dasselbe.

Dies ist nötig zu sagen und zu denken, daß das Seiende existiert.

Denn seine Existenz ist möglich, die des Nichtseienden dagegen nicht; das heiß' ich Dich wohl zu beherzigen.

Es ist dies nämlich der erste Weg der Forschung, vor dem ich Dich warne.

Sodann aber auch vor jenem, auf dem da einherschwanken nichts wissende Sterbliche, Doppelköpfe.

Denn Ratlosigkeit lenkt den schwanken Sinn in ihrer Brust.

So treiben sie hin stumm zugleich und blind die Ratlosen, urteilslose Haufen, denen Sein und Nichtsein für dasselbe gilt und nicht für dasselbe, für die es bei allem einen Gegenweg gibt

Denn unmöglich kann das Vorhandensein von Nichtseiendem zwingend erwiesen werden.
Vielmehr halte Du Deine Gedanken von diesem Wege der Forschung ferne.

So bleibt nur noch Kunde von Einem Wege, das existiert.

Darauf stehn gar viele Merkzeichen; weil ungeboren, ist es auch unvergänglich, ganz, eingeboren, unerschütterlich und ohne Ende.

Es war nie und wird nicht sein, weil es zusammen nur im Jetzt vorhanden ist als Ganzes, Einheitliches, Zusammenhängendes.

Denn was für einen Ursprung willst Du für das Seiende ausfindig machen?

Wie und woher sein Wachstum?

Weder kann es aus Sein hervorgegangen sein; sonst gäbe es ja ein anderes Sein vorher, noch kann ich Dir gestatten seinen Ursprung aus dem Nichtseienden auszusprechen oder zu denken.

Denn unaussprechbar und unausdenkbar ist es, wie es nicht vorhanden sein könnte.

Welche Verpflichtung hätte es denn auch antreiben sollen, früher oder später mit dem Nichts zu beginnen und zu wachsen?

So muß es also entweder auf alle Fälle oder überhaupt nicht vorhanden sein.

Auch kann ja die Kraft der Überzeugung niemals einräumen, es könne aus Nichtseiendem irgend etwas anderes als eben Nichtseiendes hervorgehen.

Drum hat die Gerechtigkeit Werden und Vergehen nicht aus ihren Banden freigegeben, sondern sie hält es fest.

Die Entscheidung aber hierüber liegt in folgendem:

Es ist oder es ist nicht!

Damit ist also notwendigerweise entschieden, den einen Weg als undenkbar und unsagbar beiseite zu lassen,
den anderen aber als vorhanden und wirklich zu betrachten.

Wie könnte nun demnach das Seiende in der Zukunft bestehen, wie könnte es einstmals entstanden sein?

Denn entstand es, so ist es NICHT und ebensowenig, wenn es in Zukunft einmal entstehen sollte.

So ist Entstehen verlöscht und Vergehen verschollen.

Auch teilbar ist es nicht, weil es ganz gleichartig ist.

Und es gibt nirgend etwa ein stärkeres Sein, das seinen Zusammenhang hindern könnte,
noch ein geringeres; es ist vielmehr ganz von Seiendem erfüllt.

Darum ist es ganz zusammenhängend; denn ein Seiendes stößt dicht an das andere.

Aber unbeweglich liegt es in den Schranken gewaltiger Bande ohne Anfang und Ende;
denn Entstehen und Vergehen ist weit in die Ferne verschlagen, wohin sie die wahre Überzeugung verstieß;
und als Selbiges im Selbigen verharrend ruht es in sich selbst und verharrt so standhaft alldort.

Denn die starke Notwendigkeit hält es in den Banden der Schranke, die es rings umzirkt.

Darum darf das Seiende nicht ohne Abschluß sein. Denn es ist mangellos.

Fehlte ihm der, so wäre es eben durchaus mangelhaft.

Denken und des Gedankens Ziel ist ein und dasselbe; denn nicht ohne das Seiende,
in dem es sich ausgesprochen findet, kannst Du das Denken antreffen.

Es gibt ja nichts und wird nichts anderes geben außerhalb des Seienden,
da es ja das Schicksal an das unzerstückelte und unbewegliche Wesen gebunden hat.

Darum muß alles leerer Schall sein, was die Sterblichen festgelegt haben, überzeugt, es sei wahr:
Werden sowohl als Vergehen, Sein sowohl als Nichtsein, Veränderung des Ortes und Wechsel der leuchtenden Farbe.

Aber da eine letzte Grenze vorhanden, so ist es abgeschlossen nach allen Seiten hin,
vergleichbar der Masse einer wohlgerundeten Kugel, von der Mitte nach allen Seiten hin gleich stark.

Es darf ja nicht da und dort etwa größer oder schwächer sein.

Denn da gibt es weder ein Nichts, das eine Vereinigung aufhöbe,
noch kann ein Seiendes irgendwie hier mehr, dort weniger vorhanden sein als das Seiende, da es ganz unverletzlich ist.

Denn  wohin es von allen Seiten gleichweit ist, zielt gleichmäßig auf die Grenzen.

Damit beschließe ich mein verläßliches Reden und Denken über die Wahrheit.


Von hier ab lerne die menschlichen Wahngedanken kennen, indem Du meiner Verse trüglichen Bau anhörst.

Denn sie haben ihre Ansichten dahin festgelegt, zwei Formen zu benennen; von denen man eine nicht benennen sollte.

Sie schieden aber beider Gestalt gegensätzlich und sonderten ihre Merkzeichen voneinander:

hier das ätherische Flammenfeuer, das milde, gar leichte, sich selber überall gleiche, dem anderen, aber ungleiche.

Dagegen gerade entgegengesetzt die lichtlose Finsternis, ein dichtes und schweres Gebilde.

Diese Welteinrichtung teile ich Dir, scheinbar wie sie ist, ganz mit; so ist's unmöglich, daß Dir irgend welche menschliche Ansicht den Rang ablaufe.

Aber da alles Licht und Finsternis benannt und nach ihren Kräften diese Namen diesen und jenen zugeteilt worden,
so ist das All voll von Licht und zugleich von unsichtbarer Finsternis, die sich beide die Wage halten.
Denn keinem kommt ein Anteil am anderen zu.

Du wirst aber erfahren des Äthers Wesen und alle Sternbilder im Äther
und der reinen klaren Sonnenfackel sengendes Wirken, und woher sie entstanden,
und das irrende Wirken und Wesen des rundäugigen Mondes wirst Du erkunden,
wirst aber auch erfahren, woher der rings umfassende Himmel entsproß
und wie die Notwendigkeit ihn führend die Schranken der Gestirne festzuhalten zwang.

Ich will zu reden beginnen, wie Erde und Sonne und Mond und  der allumfassende Himmelsäther und die himmlische Milchstraße und der äußerste Olympos und der Sterne heiße Kraft zur Geburt strebten.

Denn die engeren [Kränze] wurden angefüllt mit ungemischtem Feuer,
die nach diesen folgenden mit Finsternis,
dazwischen aber ergießt sich des Feuers Anteil.
In der Mitte von diesen ist die Göttin, die alles lenkt.

Denn überall regt sie weherfüllte Geburt und Paarung an, indem sie das Weib dem Manne zur Gattung sendet
und umgekehrt den Mann dem Weibe

Zuerst erschuf sie von allen Göttern den Eros.

Nachterhellendes, um die Erde irrendes fremdes Licht.

Der Mond stets schauend nach der Sonne Strahlen.

Denn wie sich der Sinn jedesmal verhält in bezug auf die Mischung seiner vielfach irrenden Organe, so tritt er dem Menschen nahe.

Denn ein und dasselbe ist's was denkt bei den Menschen allen und einzelnen: die Beschaffenheit seiner Organe. Denn das Mehrere ist der Gedanke

Auf der Rechtenr entstehen die Knaben, auf der Linken die Mädchen

Denn wenn Mann und Frau der Liebe Keime mischen,
formt die Kraft, die sie in den Adern aus verschiedenem Blute bildet,
wenn sie die gleichmäßige Mischung erhält, wohlgebaute Körper.

Doch wenn in dem gemischten Samen verschiedene Kräfte streiten
und diese in den gemischten Körper keine Einheit schaffen,
so werden sie grauenvoll das keimende Leben durch Doppelgeschlechtigkeit heimsuchen.

Also entstand dies nach dem Wahne und besteht noch jetzt und wird von nun an in Zukunft so wachsen
und dann sein Ende nehmen.
Einem jeglichen dieser Dinge aber haben die Menschen ihren Namensstempel aufgedrückt.

Aber darunter befindet sich ein Pfad, ein schauriger, lehmiger Hohlweg.
Dieser führt am besten zum lieblichen Haine der weitverehrten Aphrodite. ...

 

 

 

According to Antiphon, then, this was Pythodorus' account.

Zeno and Parmenides once came to Athens for the Great Panathenaea, Parmenides was a man of distinguished appearance. By that time he was well advanced in years, with hair almost white; he may have been sixty-five.

Zeno was nearing forty, a tall and attractive figure. It was said that he had been Parmenides' favorite. They were staying with Pythodorus outside the walls in the Ceramicus.

Socrates and a few others came there, anxious to hear a reading of Zeno's treatise, which the two visitors had brought for the first time to Athens.

Socrates was then quite young. Zeno himself read it to them; Parmenides at the moment had gone out.

The reading of the arguments was very nearly over when Pythodorus himself came in, accompanied by Parmenides and Aristoteles, the man who was afterwards one of the Thirty; so they heard only a small part of the treatise. Pythodorus himself, however, had heard it read by Zeno before.

When Zeno had finished, Socrates asked him to read once more the first hypothesis of the first argument.

He did so, and Socrates asked: 'What does this statement mean, Zeno? If things are many, you say, they must be both like and unlike. But that this is impossible; unlike things cannot be like, nor like things unlike. That is what you say isn't it?

'Yes,' replied Zeno.

'And so, if unlike things cannot be like, or like things unlike, it is also impossible that things should be a plurality; if many things did exist, they would have impossible attributes.

Is this the precise purpose of your arguments - to maintain, against everything that is commonly said, that things are not a plurality?

Do you regard every one of your arguments as evidence of exactly that conclusion, and so hold that, in each argument of your treatise, you are giving just one more proof that a plurality does not exist? Is that what you mean, or am I understanding you wrongly?'

'No,' said Zeno, 'you have quite rightly understood the purpose of the whole treatise.'

'I see, Parmenides,' said Socrates, 'that Zeno's intention is to associate himself with you by means of his treatise no less intimately than by his personal attachment.

In a way, his book states the same position as your own; only by varying the form he tries to delude us into thinking that his thesis is a different one.

You assert, in your poem, that the all is one, and for this you advance admirable proofs, Zeno, for his part, asserts that it is not a plurality, and he too has many weighty proofs to bring forward.

You assert unity; he asserts no plurality; each expresses himself in such a way that your arguments seem to have nothing in common, though really they come to very much the same thing.

That is why your exposition and his seem to be rather over the heads of outsiders like ourselves.'

'Yes, Socrates,' Zeno replied, 'but you have not quite seen the real character of my book. True, you are as quick as a Spartan hound to pick up the scent and follow the trail of the argument, but there is a point you have missed at the outset. The book makes no pretense of disguising from the public the fact that it was written with the purpose you describe, as if such deception was something to be proud of.

What you have pointed out is only incidental; the book is in fact a sort of defense of Parmenides' argument against those who try to make fun of it by showing that his supposition, that there is a one, leads to many absurdities and contradictions.

This book, then, is a retort against those who assert a plurality. It pays them back in the same coin with something to spare, and aims at showing that, on a thorough examination, their own suppositions that there is a plurality leads to even more absurd consequences than the hypothesis of the one. It was written in that controversial spirit in my young days, and someone copied it surreptitiously, so that I had not even the chance to consider whether it should see the light or not. That is where you are mistaken, Socrates; you imagine it was inspired, not by a youthful eagerness for controversy, but by the more dispassionate aims of an older man, though, as I said, your description of it was not far wrong.'

'I accept that,' said Socrates, 'and I have no doubt it is as you say.'
 

 

 volker doormann