Passah Symbolik


 Das Passah ist das Aramäische (A.) pacach (paw-sakh) und bedeutet soviel wie 'hinüber gehen'. Obwohl dieses 'Hinübergehen' bei den Juden und bei den Christen von größter Bedeutung ist, ist die eigentliche Bedeutung den Jüdischen Gelehrten und Christlichen Theologen kaum mehr bekannt. Dieses liegt zum einen daran, dass es deren immer nur wenige waren, welche die verborgenen Symbole deuten konnten oder wollten, jene, welche sich kundig gemacht haben über den Sinn des Ganzen, aber zum anderen an der Dogmatik der Gelehrten, die äußeren Traditionen als bedeutender zu erhalten, als die originäre Bedeutung selbst und dem Unterdrücken aller Kritik.
 
Im Ursprung war das 'Hinübergehen' die Bedeutung des Hinübergehens des Menschen aus seinem Fleisch(lichen Körper) hinüber in die körperlose 'Welt', der Heimat der Seele. Dieses Hinübergehen ist im Buche Exodus (Shemoth) der Juden, als der 'Auszug der Seele aus dem fleischlichen Körper' in dieser Welt in das Hinübergehen in die fleischlose Welt der Seele als Parabel niedergeschrieben, aber das Thema kehrt auch in vielen anderen Geschichten der Tora als Parabel auf.  
 
Symbolik ist eine Sprache, welche auch durch die Begriffe in den gesprochen Sprachen ausgedrückt wird. So ist das 'über den Jordan gehen' dieselbe Symbolik wie das Passah. Das Yardana, Jordon, ist im Aramäischen 'der Strom oder Fluss des Lebens'.
 
Abseits des Streites der Theologen kann man allein in der Aramäischen Sprache Mosaiksteine finden für ein Bild, das es erlaubt auch das Bewusstsein der Menschen besser nachvollziehen zu können.  
 
So bedeutet im A. 'Bit Nitupta' das 'Haus der Präexistenz', was unschwer erkennen lässt, dass die Menschen eine Präexistenz argumentierten, wovon die späteren Christen in Nicea nichts wissen wollten und einen Fluch aussprachen gegen jene, welche das weiter argumentierten.  
 
Hilqa ist im A. das Schicksal oder Karma, Husbanayya sind Astrologen. Naziruta, oder Nazirutha ist die innere (esoterische) Erkenntnis (knowledge), Gnosis und Nazuraya - Nazoreans, sind erfahren im geheimen Wissen. Ein 'Nazarener' ist also nicht ein Einwohner von der Stadt Nazareth, sondern ein Kundiger in esoterischer Erkenntnis (Gnosis).  
 
Der Symbolik bedarf es deshalb im Verstehen des Spirituellen oder Geistigen, weil es dort nichts zu begreifen gibt, das man mit den physischen Sinnen begreifen kann, wie ein Schwert oder ein Brot oder durch datierbare historische Dokumente. Das Historische ist Analyse, aber bringt keine geistige Erkenntnis. Deshalb mussten alle Schreiber, die über das Unbeschreibliche Geistige schrieben, sich der Symbolik bedienen. Alle. Nur jene, die das Historische beschrieben, konnten das mit den Begriffen beschreiben, die in der lokalen (Mutter-)Sprache allen bekannt waren.  
 
So haben denn auch die jüdischen Menschen, die das Epos 'Exodus' ('Shemoth') schrieben, die Parabel als Symbol verwendet, um das Hinübergehen in die fleischlose Welt der Seele (Mensch) aus seinem Fleisch(lichen Körper) hinüber in die körperlose 'Welt', in die Heimat der Seele, zu vermitteln.  
 
Hierbei verwendeten sie für das 'Herabsteigen der Seele' aus der Heimat der Seele in einen fleischlichen (engen) Körper das Symbol 'Mitzrayim', das im Hebräischen (H.) 'Enge Orte' oder 'eingeengte Orte', 'Knast', Knechtschaft' oder 'Gefängnis' bedeutet. Das 'herab' ist ein Vektor-Begriff, der sich aus dem 'oben' des (sichtbaren) Himmels ableitet, an dem sich die sieben Lichter (sichtbare Planeten) bewegen, in welchen die Astrologen (Magier) bestimmte spezifische Qualitäten sahen die sie verehrten und in dem sie die Heimat der Seele vermuteten und sich selbst gebunden fühlten an die Erde und ihre Kraft (Schwerkraft) und den fleischlichen Körper.  
 
Mit diesem Eingesperrtsein der Seele in einen fleischlichen Körper als Basis, ist notwendig ein Kampf verbunden, der, um den Körper zu erhalten mit dem Anderen streitet um das Brot, das Gut  oder das Land, denn der Andere muss denselben Streit üben um zu leben. Dieser Streit wird solange erhalten, wie es das fleischliche Leben gibt und die Geschichte ist voll von Kriegen, Machtkämpfen und Unterdrückung.  
 
Die Seele hat immer Heimweh und wenn es den Streit leid ist und die Unlösbarkeit des Konfliktes mit den anderen erkennt, weil das ein offenes System ist, dann kommt das Tun und Streiten  zur Ruhe und es beginnt ein anderer 'Streit' den die Hebräer 'Yisrael' nennen. Yisrael ist der 'Begriff'  'Der, der mit Gott ringt'. Es ist die aus dem fleischlichen Körperbewusstsein erwachte Seele, welche nun darum ringt sich aus der Gefangenschaft des Körpers und der Sklaverei der weltlichen Macht zu befreien. Dieses ist symbolisiert in dem Exodus in epischer Breite und enthält viele weitere Symbole einzig um dieses 'Hinübergehen' zu beschreiben.
 
Die Elemente der Astrologie sind heute nicht mehr Vielen bekannt, aber sie sind eigentlich notwendig um die Symbole des Exodus zu verstehen. Zu diesen Elementen gehören natürlich auch der Kalender der Juden, seine Entstehung und auch seine spirituelle Bedeutung. Aber auch andere Symbole, welche etwas auszudrücken versuchen, dass alle als weltliche Begriffe kennen.  
 
So ist z.B. der Sauerteig jedem ein Begriff, er lässt das Brot 'wachsen', ein ungesäuertes Brot macht das nicht. Der Mond 'wächst' 14 Tage um dann wieder zu abzunehmen.

 

Das Töten des Lebenden (Lammes) als Opfer, ist das Symbol des Opfer des lebendigen Körpers, der sich als fleischliches Leben opfert (und stirbt), damit die Seele 'befreit' ist.  
 
Der Körper muss nicht mehr wachsen wie der Vollmond nicht mehr zunimmt, er bedarf nicht mehr des 'Sauerteigs'.  
 
Dort, wo das Fleisch gestorben ist wird der Körper (Mitzrayim) als das Erstgeborene (das Zweitgeborene ist die erwachte Seele die mit Gott ringt = Ysrael) getötet, aber damit wird die erwachte Seele (Ysrael) nicht getötet, verschont.  
 
Als äußeres Ritual wird dieses jedes Jahr prozessiert und wurde im Kalender verankert, und auf den 14. Tag nach Neumond gelegt, also einem Vollmondtag:
 
"Wenn dein Sohn dich künftig fragt und spricht: "Was bedeuten die Zeugnisse und die Satzungen und die Rechte, welche Jehova, unser Gott, euch geboten hat?" so sollt ihr sagen: "Es ist der Verzicht des Einen (YHWH), als er an den Häusern der Söhne Ysrael vorüberging, als er Ägypten (Matzrayim) (er-)schlug."  
 
Aber auch wenn das ein Vollmondtag, der erste Vollmondtag im Mond-Monat nach Frühlingsanfang ist, ist das nicht ein historischer Gedenktag, der den Auszug von 600000 Juden um Mitternacht bei Vollmond aus dem Land Ägypten zelebriert, denn es ist nur ein Symbol für jene, welche ebenso nach ihrer Heimat suchen, in der es Sklaverei und Unterdrückung nicht gibt.  
 
Die Evangelien der Christen haben den physischen Tod und das 'Aufsteigen' auf das Datum des Passah der Juden gelegt und es enthält die gleiche Symbolik, allerdings ist sie mit dem ägyptischen Osiris-Kult (L_azar_us) vermengt, welche die gleiche Thematik dramatisiert wie das Passah, nur mit etwas anderen Symbolen.  
 
Dass ein gestorbener Körper nicht mehr wachsen muss ist einfach zu verstehen. Ebenso bedarf die Seele keiner Nahrung mehr. Das Symbol der ungesäuerten Brote ist denn auch nur ein Symbol und für einen lebenden Körper eigentlich sinnlos. Das kommt auch im schon im Thomas Evangelium zum Ausdruck, als die Schüler von Jesus ihn fragen: "Willst du, dass wir fasten? Und auf welche Weise sollen wir beten? Almosen geben? Und welche Speise sollen wir beachten?" Jesus: "Lügt nicht! Und das, was ihr hasst, tut nicht." - "Wenn ihr fastet, werdet ihr euch Sünde schaffen. Wenn ihr betet, werdet ihr verurteilt werden. Und wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr eurem Geiste etwas Schlechtes tun." Hier kann man erkennen, dass Jesus die Passah-Vorschriften der Juden deswegen zurückwies, weil sie erkennbar Selbstbetrug waren.  
 
Die Christen haben in Nicea nicht nur das Sprechen über die Präexistenz der Seele mit einem Fluch belegt, sie haben auch den Menschen eine 40-tägige Fastenzeit vor dem Datum des Passah, das durch den ersten Vollmond nach Frühlingsanfang im Jahreszyklus bestimmt ist, ad hoc definiert. Das ist lokal verbunden mit einem Verzicht auf Fleisch (carne vale) und einem christlichen Bußgedanken, ist aber spirituell ebenso sinnlos wie der Verzicht auf das Essen von gesäuertem Brot, wenn man Hunger hat.  
 
Die Ordnungsgeber aus den Religionen sehen sich immer noch als Soldaten, die irrglauben, dass die Menschen religionisiert werden müssen mit auferlegtem Tun. Sie gleichen sich darin den moralischen Ordnungsgebern in aller Welt und zu allen  Zeiten und den Sinngebern (die im Exodus als Pharao symbolisiert ist). Dass sie aber mit diesem Geben, exakt die schon vorhandene Gebundenheit und Unfreiheit der Seele an den Körper in dieser Welt multiplizieren, kommt ihnen nicht in den Sinn.  
 
Erkennt man das, dann ist das der Beginn dessen, was die Juden Ysrael, das 'Ringen mit Gott' nannten und der in dem Bewusstwerden dessen, was das Symbol des (unsterblichen) Zweitgeborenen beschrieben wird, während das Symbol des Erstgeborenen (der Körper) sterben muss.  
 
Das Religionisieren aber auch das Moralisieren der selbsternannten Ordnungsgeber erhält diese Welt aufrecht, aber es kann das Sterben des Körpers nicht verhindern und wie es scheint vermag es auch nicht Frieden zu bringen. Ein Frieden, der von vielen Menschen geahnt und/oder gesucht wird, der aber nicht gegeben werden kann, wie es zu erkennen ist, seit vielen Tausend Erdenjahren in dieser physischen Welt.
 
Das Hinübergehen der Seele ist verbunden mit dem Lösen vom physischen Körper und damit ist eine Befreiung der Seele verbunden, welche in dem Exodus Epos dramatisiert wurde. Mit dem Verlust des Verstehens von Symbolen haben sich die Hüter der Torah selbst zum 'Pharao' gemacht, der als 'Herr von Ägypten' sterblich bleibt, und die Seelen, die Gott suchen oder um ihn ringen (Yisrael) nicht gehen lassen wollen; sie kämpfen nach wie vor für das Sterbliche, in dem es notwendig Unterdrückung gibt.
 
Erkennen tun es immer nur wenige.  

 



volker doormann    -  2008