Rumi
Mevlana Jelalu'ddin
Rumi. Maulana Dschelaladdin Rumi . Mevlana Dschalaladdin Rumi
"Suche
den Klang der nie vergeht.
Suche die Sonne die niemals untergeht."
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Mevlana
Jelaluddin Rumi wurde
geboren am 30. September 1207 n. Chr. in Wachsch in der Region Balch, Afghanistan.
Sein Vater, Baha'eddin Walad war ein Mystiker(=> Fritz Meier, Baha-i Walad,
Grundzüge seines Lebens und seiner Mystik. Acta Iranica III 14, E.J.
Brill, Leiden 1989.) Er heiratete Gauhar Chatun und bekam 1226 seinen ersten
Sohn Sultan Walad. 1228 ging er mit seinem Vater nach Konya. 1230 wird
er Professor für Theologie. Im Januar 1231 stirbt sein Vater. Am Sonnabend
den 28. November 1244 trifft er Schamseddin i Täbris, der ihm
die
spirituellen Welten zeigt, und der ihn nach dem Verschwinden
veranlasst Gedichte zu schreiben. Schamseddin verläßt Mevlana
am 14. März 1246 das erstemal. Mevlana scheibt Poesie: Divan-e-Shams
(über 45000 Verse) in Persisch, das Mathnavi in 7 Büchern und
24660 Doppelversen und das Fihi ma Fihi, eine Einführung in die Metaphysik
um 1256. Mevlana starb in Konya am Abend des 16. Dezembers 1273 n. Chr.
im Alter von 66 Sonnenjahren oder 68 Mondjahren, wenige Tage nach einem
Erdbeben.
Verehrer
"Der Mensch durchschreitet
drei Stufen.
Zuerst verehrt er alles:
Männer, Frauen, Geld, Kinder, Die Erde und Steine.
Dann, wenn er etwas weiter
fortgeschritten ist, verehrt er Gott.
Schließlich sagt er
weder: 'Ich verehre Gott' noch 'Ich verehre Gott nicht'.
Er hat die beiden ersten
Stufen passiert und geht nun die letzte." ¹
*
"Mein verrücktes Herz wird ganz
oben wieder eins,
aber der wirklich Verrückte ist
die Person, die keine Idee über das Herz hat und nie sein Zerren gefühlt hat.
Ich komme nicht von der Erde
oder vom Himmel, noch vom Feuer oder vom Wasser.
Ich wurde der, zu dessen Namen jeder einen Eid
auf sich nimmt.
Ich wurde Jesus, dieser 'Mond' .
I wuchs auf und durchquerte die Himmel.
Ich bin der betrunkene Moses.
Gott selbst lebt im Inneren dieses ausgebesserten Mantels.
Ich bin das Außen der Taverne.
Warum sollte ich gar ein Sufi genannt werden?
Wer denkt, dass ein einziges Glas genug ist?
Wer kann glücklich sein mit nur einem Glas?
Ich bin gefallen wieder und wieder wie ein Betrunkener,
gerollt wie ein Ball auf dem Marktplatz
Ich bin völlig in dieses Meer versenkt und gezogen worden.
Warum sollte Ich nur ein Tropfen
sein?
Mein Herz und Seele sind lebendig
geworden!
Warum sollte ich tun, als ob ich tot bin?
Wenn Mohammad mich betrunken
sieht, mein Gesicht bleich,
küsst er meine Augen, dann
werfe ich mich vor ihm nieder.
Ich bin der heutige Muhammad, aber nicht Muhammad der Vergangenheit.
Ich bin der Phoenix der Zeit, nicht irgendein kleiner
hungriger Vogel.
Ich bin der Sultan von heute, kein Mann von Gestern." ¹
*
"Was
ist dieser Sinn, Oh Moslems: »Weil ich mich selbst nicht kenne.« Weder
bin ich Christ, Zarathustrier, oder Moslem; Ich bin kein
Orientale noch Abendländer, in keinem Land und auf keiner See: Nicht
aus der Natur, noch aus dem Himmel: Nicht von Indien, China,
Bulgarien oder Saqsin; Nicht aus dem Iraq, noch aus dem Land
Khorasan. Mein Ort ist alokal: Mein Zeichen ist kein Zeichen. Ich
habe keinen Körper und kein Leben: Weil ich vom Leben des Lebens
bin. Ich habe Dualität überwunden: Ich habe die zwei Welten
als EINE gesehen: Ich bitte EINEN, ich weiss EINEN, ich sehe
EINEN, Ich rufe EINEN." ¹ (aus
dem Divan-i-Shams-i-Tabriz.) ¹
|

"These
spiritual window-shoppers,
who idly ask, 'How much
is that? -
Oh, I'm just looking.'
They handle a hundred items
and put them down, shadows with no capital.
What is spent is love and
two eyes wet with weeping.
But these walk into a shop,
and their whole lives pass
suddenly in that moment,
in that shop.
Where did you go? - "Nowhere."
What did you have to eat?
- "Nothing much."
Even if you don't know what you want,
buy something, to
be part
of the exchanging flow.
Start a huge, foolish project, like Noah.
It makes absolutely no difference
what people think of you." |
"Diese
spirituellen Schaufenster-Bummler,
die faul danach fragen,
'Was kostet das? -
Oh - Ich schau mich nur
um.'
Sie kommen mit hundert verschiedenen
Punkten
und machen sie schlecht,
Schatten ohne Wert.
Erschöpfung ist Liebe
und zwei Augen naß
voller Tränen.
Aber sie gehen in den Laden,
und in diesem Laden geht
ihr ganzes Leben
plötzlich in dem Moment
an ihnen vorüber.
Wohin gehst Du? - "Nirgend
wohin."
Was hattest Du zu essen?
- "Nicht viel."
Auch wenn du nicht
weißt, was du möchtest,
kauf irgendwas, damit
Du ein Teil bist
von des Tauschens Strom.
Starte ein riesiges blödes
Ding, wie Noah.
Was die Leute von Dir denken,
macht absolut keinen Unterschied
aus." ¹ |
*
Nimm Deine Sinne!
Betrunkene sind wir Alle!
Es ist spät, komm’ nächstes Mal früher.
Wo sagtest Du ist Deine Taverne?
Schau auf unsere Trunkenheit,
wenn Du nicht verwirrt bist oder senil.
Frage: Wo ist Deine Robe?
Wo ist Dein Turban?
Ein Blödmann nahm Deinen Turban,
ein anderer klaute Deine Robe.
Dein Gesicht ist bleicher als der Mond.
Wo ist Dein Beschützer? Wer passt auf Dich auf?
Ein Fremder kam und begann die Trunkenen der Ewigkeit zu
belästigen.
Warum bist Du ihnen nicht zu Hilfe geeilt?
Wo ist Deine Courage?
Wo ist Dein Mut?
Oh Mann, der Du redest wirres Zeug,
sei still, sei lieber das zuhörende Ohr.
Sei nicht nur ein Wortschmied für die Menschen.
Wo ist Deine Ekstase?
Wo sind Deine Worte über Ekstase? ¹

"The more awake one
is to the material world,
the more asleep to spirit.
When our soul is asleep
to God,
other wakefulness closes the
door of Divine grace." |
"Je mehr jemand erwacht
in den weltlichen Dingen,
je mehr schläft er
in spirituellen 'Dingen'.
Wenn unsere Seele Gott verschlafen
hat,
verschließt eine andere
Wachsamkeit die Tür zur göttlichen Gunst." ¹ |
*
"The
intellectual quest,
though fine as pearl or
coral,
is not the spiritual search.
That spiritual search is
on another level.
Spiritual wine is a different
substance." |
"Die
intellektuelle Suche,
obgleich so fein wie Perlen
oder Korallen,
ist kein spirituelles Forschen.
Dieses spirituelle Forschen
ist auf einer anderen Ebene.
Spiritueller Wein ist eine
andere Wirklichkeit." ¹ |
*
"The spiritual path
wrecks the body
and afterward restores it
to health.
It destroys the house to
unearth the treasure,
and with that treasure
builds it better than before." |
"Der spirituelle Weg
bringt den Körper zum Scheitern
und danach läßt
er ihn wieder gesunden.
Er zerstört das Haus
um irdischen Reichtum
in nichtirdischen zu wandeln,
und mit diesem Reichtum
baut es sich besser als vorher." ¹
|
*
You’ve gone to the secret world.
Which way is it?
You broke the cage and flew.
You heard the drum that calls you home.
You left this humiliating shelf,
This disorienting desert
Where we’re given wrong directions.
What use now a crown?
You’ve become the sun.
No need for a belt:
You’ve slipped out of your waist!
I have heard that near the end
You were eyes looking at soul.
No looking now.
You live inside the soul.
You’re the strange autumn rose
That led the winter wind in by withering.
You’re rain soaking everywhere
From cloud to ground.
No bother of talking.
Flowing silence and sweet sleep beside the friend ³
|
"Du bist verschwunden in
die verborgene Welt. Auf welchem Weg? Du zerbrachst den Käfig
und bist geflohen. Du hörtest die Trommel,
sie rief Dich heim. Dies erniedrigende Lager
hast Du verlassen. Diese verwirrende Wüste,
wo uns falsche Orientierungen gegeben werden. Welchen Sinn hat jetzt
ein Herrscher? Du bist die Sonne
geworden. Brauchst keinen Gurt:
Bist aus Dir geschlüpft. Ich habe gehört dass nahe
dem Ende Du die Augen warst, die die
Seele schauen. Jetzt ist kein Schauen,
Du lebst im Innern der Seele. Du bist die seltsame
Rose, die den Winterwind
einließ zum Verwelken. Du bist Regen, der alles tränkt, Von der Wolke zum Boden. Keine Worte stören. Strömende Ruhe und süßer
Schlaf neben dem Freund." ¹
|
Komm, O süßlippige Schöne
Trinke diesen verbotenen Wein, wenn Du den Mut hast.
Wenn Du ein Herz hast wie das Meer, nimm den Wein der aufdeckt, was menschliches Sein wirklich ist.
Ich kam zurück zu Dir, weil ich die freundlichen und bescheidenen Dinge nicht finden konnte in etwas anderem als in Dir.¹
*
"Wenn sie am Tage des Todes
tief in die Erde mich senken,
Daß dann mein Herz
noch auf Erden weile, darfst Du nicht denken!
Weine, o weine nicht um
mich, Rufe nicht "Trauer, Weh, Trauer!"
Du fällst dem Teufel
zu Opfer! Das ist ja wirklich ein Schauer!
Siehst meine Bahre du ziehen,
laß das Wort »Trennung« nicht hören.
Weil mir dann ewig ersehntes
Treffen und Finden gehören!
Klage nicht »Abschied,
ach Abschied!«, wenn man ins Grab mich geleitet: Ist mir doch selige
Ankunft hinter dem Vorhang bereitet!
Hast Du das Sinken gesehen,
sieh auch das Auferstehen!
Schadet es denn, wenn die
Sonne, Sterne und Mond untergehen?
Scheinen sie dir auch zu
sinken, ist es doch wahrhaft ein Aufgang;
Scheint dir ein Kerker das
Grab auch, ist's doch zur Freiheit ein Ausgang.
Fiel je ein Korn in die
Erde, das sich nicht köstlich entfaltet?
Glaubst Du denn, daß
sich das Korn, das die Menschen sind, anders gestaltet?
Jeglicher Eimer, der sinket,
hebst Du gefüllt aus der Quelle:
Sieh, auch dem Joseph der
Seele strahlt in der Grube die Helle!
Schliesse den Mund jetzt
im Diesseits, öffne im Jenseits ihn wieder,
Daß in der Welt, da
kein Ort ist, ewig ertönen die Lieder!" ²
*
"Come, come, whoever
you are.
Wonderer, worshipper, lover
of leaving.
It doesn't matter.
Ours is not a caravan of
despair.
Come, even if you have broken
your vow
a thousand times
Come, yet again, come, come."
|
"Komm nur, ja komm nur,
wer immer Du bist;
Sucher, Verehrer, Freund
des Verlassens.
Es ist kein Problem, was
es auch ist,
mit Zweifeln müssen
wir uns nicht befassen.
Du hast Eide gebrochen?
Und das tausendmal?
Auch dann komme wieder,
beginne nochmal." ¹
|
*
Love
is the Water of Life
"Everything other than love
for the most beautiful God
is agony of the spirit,
though it be sugareating.
What is agony of the spirit?
To advance toward death
without seizing hold of
the Water of Life." |
Die
Liebe ist das Wasser des Lebens.
"Alles andere, als die Liebe
für den allerschönsten
Gott
ist 'ne Qual für jede
Seele,
auch naschen aus dem Zuckerpott.
Was ist die Qual der Seele
dann?
Zum Tode vorzudringen, nicht
vergebens,
ohne daß man dabei
dann,
Besitz ergreift vom Wasser
des Lebens." ¹ |
*
"Soul
receives from soul that knowledge,
therefore not by book nor
from tongue.
If knowledge of mysteries come
after emptiness of mind,
that is illumination of
heart." |
"Die
Seele empfängt Erkenntnis allein
durch die Seele und nicht
durch das Denken.
Aus Sprache und Büchern
kann Erkenntnis nicht sein,
sie kommt nach der Leerheit
im Denken.
Mysterien erkennen, das
kommt so wie Licht von viel Kerzen,
das erleuchtet die Seele
der Menschen
und in ihnen auch ihre Herzen."
¹ |
*
"I died from minerality
and became vegetable;
And From vegetativeness
I died and became animal.
I died from animality and
became man.
Then why fear disappearance
through death?
Next time I shall die
Bringing forth wings and
feathers like angels;
After that, soaring higher
than angels -
What you cannot imagine,
I shall be that."
|
"Ich starb als Stein,
wurde als Pflanze geboren.
Ich starb als Pflanze und
wurde Tier.
Ich starb als Tier, als
Mensch wurd' ich erkoren,
jetzt bin ich hier.
Warum dann Furcht vor dem
Verschwinden
nur wegen diesem Sterben?
Das nächstemal wenn
ich sterben soll,
dann braucht ihr mit Flügeln
der Engel nicht werben;
ich werde danach mich erheben
und höher als die Engel
sein,
Und was Du Dir nicht vorstellen
kannst,
Ich werde das sein." ¹
|
*
"You need money, the
love of friends,
You need your health,
you need laughter.
Most of all you need what
only He gives:
The living presence of Divine
Grace."
|
"Du
brauchst Geld, die Liebe von Freunden,
Du brauchst Deine Gesundheit,
Du brauchst das Lachen.
Aber am meisten brauchst
Du das, was nur Er gibt:
Die lebende Gegenwart von
göttlicher Gunst." ¹ |
*
"If you want to discover
Eternal Life
And live in the radiant
desert of Detachment
Advance bravely on the Path,
fearing no pain or loss,
Take each step authentically,
risking your whole being."
|
"Wenn
Du das ewige Leben entdecken willst
und lebst in der sengenden
Wüste der Stille,
dann schreite mutig voran
auf dem Weg und
fürchte nicht Schmerzen,
Leid und Verlust.
Nimm Schritt für Schritt
gewissenhaft
und riskiere dein ganzes
Sein bewußt." ¹ |
*
"Unser
Tod ist unsere Hochzeit mit der Ewigkeit. Was ist das Geheimnis? "Gott
ist Eins."
Das Sonnenlicht spaltet
sich, wenn es das Fenster des Hauses trifft.
Diese Vielheit ist in der
Traube vom Wein; aber sie ist nicht im Saft aus dem Wein.
Für den, der im Licht
Gottes lebt, ist der Tod der fleischlichen Seele eine Wohltat.
Ihn zu beachten, bedeutet
weder Schlechtes noch Gutes,
weil er sich jenseits des
Guten und Schlechten befindet.
Konzentriere Deine Augen
auf Gott und sprich nicht über das, was nicht sichtbar ist,
so daß er Deinen Augen
eine andere Sicht ermöglicht.
Es ist die Sicht der physischen
Augen, daß keine unsichtbaren oder geheimen Dinge existieren.
Aber wenn sich die Augen
auf das Licht Gottes richten,
welches Ding kann verborgen
bleiben in so einem Licht?
Obgleich alles Licht aus
dem Göttlichen Licht strömt, nenne nicht alle diese Lichter "Das
Licht Gottes",
es ist das ewige Licht,
welches das Licht Gottes ist.
Das Tageslicht ist eine
Eigenschaft des Körpers und des Fleisches.
Oh Gott, wer gibt die Gnade
der Einsicht!
Der Vogel des Sehens fliegt
zu Dir mit den Flügeln des Verlangens." ¹ |
*
"Wir
sind wie die Flöte, und die Musik in uns ist von Dir;
Wir sind wie die Berge und
das Echo in uns ist von Dir.
Wir sind wie die Schachfiguren
beschäftigt mit Sieg und Fall:
Unser Sieg und unsere Niederlage
ist von Dir, O Du, dessen Werte erreichbar sind.
Wer sind wir, O Du Seele
aller Seelen, daß wir neben Dir bleiben sollen?
Wir und unsere Existenzen
sind wirklich Nicht-Existenz.
Du bist das absolute Sein
das das Vergängliche offenbart.
Wir sind alle Löwen,
jedoch Löwen auf einem Plakat:
Von Zeit zu Zeit hetzen
sie vorwärts gemäß dem Winde.
Ihre Vorwärts-Jagd
ist sichtbar, aber der Wind ist es nicht:
Möge das, was nicht
sichtbar ist, uns nicht im Stich lassen!
Unser Wind durch den wir
bewegt werden und unser Sein sind Deine Gabe;
unsere ganze Existenz, die
uns in das Sein gebiert, ist von Deiner Gabe." ¹ |
*
Liebende
" O Liebende, Liebende,
es ist soweit,
aus der Welt auszusteigen
ist es nun Zeit.
Ich höre die Trommel
im Ohr meiner Seele,
sie kommt aus den Weiten
der Sterne.
Vom Kameltreiber hör'
ich Befehle,
die Karavane wartet nicht
gerne.
Er fragt uns, ob wir ihm
vergeben,
daß er uns gestört
hat in unserem Schlafe,
und warum wir Reisende schlafen,
nicht leben.
Überall in diesem Camp
murmelt man 'Abreise' leise
und Sterne gleich Kerzen
hinter blauen Schleiern vertrauen uns auf ihre Weise.
Und auf der unsichtbaren
Ebene im Sein
kamen - nun schon gut zu
sehen -
erstaunliche Leute zum Vorschein."
¹ |
*
"Man
sagt daß nach Muhammad und des Propheten Offenbarung
niemand anderer herabgestiegen
ist.
Warum nicht?
Natürlich sind das
andere auch, aber dann wird das nicht
'Offenbarung' genannt.
Es ist das, auf was der
Prophet verweist, wenn er sagt,
' Die Gläubigen sehen
mit dem Licht Gottes.'
Wenn der Gläubige mit
Gottes Licht sieht, dann sieht er alle Dinge:
Das Erste und das Letzte,
die Gegenwart und das Abwesende.
Wie sollte irgendetwas verborgen
sein vor Gottes Licht?
Und wenn etwas verborgen
ist, dann ist es nicht das Licht Gottes.
Deswegen existiert die Bedeutung
der Offenbarung,
sogar wenn sie nicht Offenbaung
genannt wird." ¹ |
*
"Es
schlägt die Trommel der Erkenntnis auf Verheißung,
Wir stürmen die Straße
des Himmels.
Heute ist Deine Freude hier,
aber was bleibt Dir für morgen?
Die Armeen vom Tage verfolgen
die Armee der Nacht,
Himmel und Erde ist voll
Reinheit und Licht.
Oh! Freude für ihn,
der aus dieser Welt aus Parfüm und Farbe flüchten konnte!
Denn hinter diesen Farben
und Parfüms sind diese anderen Farben im Herzen und in der Seele.
Oh! Freude für diese
Seele und dieses Herz, das flüchten konnte von der Erde aus Wasser
und Lehm.
Auch wenn dieses Wasser
und dieser Lehm die Kochstätte des philosophischen Herdes enthält."
¹ |
*
"In
jedem Augenblick und von allen Seiten widerhallt der Ruf der Liebe:
Wir gehen zum Himmel, wer
möchte mit uns kommen?
Wir gingen zum Himmel, wir
wurden die Freunde der Engel,
und nun wollen wir dorthin
zurück, weil es unser Land ist.
Wir sind höher als
die Himmel, edler als Engel:
Warum also nicht weiter
gehen als sie?
Unser Ziel ist die höchste
Majestät.
Was hat eine Perle zu tun
mit der vernebelten Welt?
Warum kamest Du hier her?
Nimm dein Hab zurück.
Was ist das hier für
ein Platz?
Das Glück ist mit uns,
mit uns ist der Verlust!
Wie die Vögel des Meeres,
kam der Mensch aus dem Ozean - dem Ozean der Seele.
Wie kann dieser Vogel, geboren
aus dem Meer, hier sein Nest bauen?
Nein, wir sind die Perlen
vom Grunde des Meeres, dort wohnen wir:
Wie könnte andernfalls
die Welle der Welle nachfolgen, die von der Seele kommt?
Die Welle mit dem Namen
'Bin Ich nicht dein Herr' ist da,
sie hat das Gefäss
der Körpers durchbrochen;
und wenn das Gefäss
zerbrochen ist,
dann kommt die Sicht wieder
und die Einheit mit Ihm." ¹

|
* |
Ein Gauner im Basar
Da gibt es diesen Gauner im Basar, ein aalglatter Charakter, so listig, wie Gauner eben sind.
Er ist ein unerträglicher Windbeutel und wird alles machen, um das zu erhalten, was er wünscht.
Er ist im heißem Bad mit dem Inspektor oder mit dem Aufseher des Basars.
Vom Apotheker bis zum Boza Schankwirt, jeder beschwert sich über ihn.
Wenn sie zu ihm sagen:
"Warum zerstörst Du den Basar?
Fasse nichts an!
Halte Deinen Mund!
Schäme Dich!“
Dann ist er zerknirscht und verspricht hundertmal:
„Ich werde es nicht wieder tun.
Ich werde es nicht mehr anfassen.
Ich werde davon fern bleiben.“
Dann geht er und bestiehlt seinen Nachbarn und verpfändet dessen Wertsachen.
Er benutzt das Geld, um Wein zu kaufen und schmeißt Partys.
Dann gibt er sich als ob er stirbt und wirft sich erzitternd zu Boden.
Wenn Du ihn siehst, denkst Du er hatte viele Jahre Malaria.
Aber es ist alles Betrug.
Er tut dies nur, damit andere sich traurig fühlen über ihn.
Er erklärt jedem der ihm zuhört:
"An dem-und-dem Ort so-und-so, bekam ich soviel Gold und Silber.
Dem, wer auch immer mir hilft mit meiner Krankheit, bekommt es sicher hundert Mal zurück.“
In dieser Weise barbiert er vielen Leuten den Kopf, nimmt ihr Geld und beschwindelt sie.
Wenn sie realisieren, dass sie betrogen wurden, werfen sie sich Dreck an die Köpfe
und zerreißen ihre Krägen, alles wegen dieses grausamen Gauners.
Seine Zunge ist hundert Meter lang und sieht so süß aus.
Aber, wenn Du die Wunden siehst, die er aufreißt, ist sein Mund wie eine tiefe Grube, die mit Schlangen gefüllt ist.
Wenn Du versuchst, ihn rauszuschmeißen, fängt er an zu sprechen und erklärt die lustigsten Witze.
Seine Wörter sind so süß wie Honig.
Er wird voll von Liebe und Freundlichkeit.
Vor Dir unten auf dem Boden kniend macht er, dass du Dich in ihn verliebst.
Dein Herz beginnt zu rasen und Du vergisst alle Deine Bedenken.
Ihn zu hören, wie er mit seiner Güte und seinen Talenten prahlt, denkst Du er ist der größte Mensch unserer Zeit.
Wenn er über Ergebenheit spricht, barbiert er Dir Deinen Kopf, der dann so glatt ist wie ein Kürbis.
Dann, mit der Zeit, beginnt er über Mängel und das Wissen von Gott zu sprechen,
und er beeindruckt uns so stark, dass wir nur noch ausrufen können:
„Er ist entweder Cuneydt oder ein anderer großer Scheich!“
Aber, wenn Du ein wenig tiefer gräbst, wenn Du forschst, dann wirst Du sehen, dass alles Täuschung ist und Verrat.
Er ist eine wirkliche Katastrophe. Sondermüll.
Er sorgt sich über niemand anderen als sich selbst.
Er hat keinen Job, nicht mal einen Beruf.
Er ist nur gierig, das ist alles.
Er geht von Tisch zu Tisch und stopft sich voll.
Er ist ein Schwindler vom Feinsten.
Sogar der beste Basar-Inspektor wird verwirrt durch seine Tricks.
Wenn er jammert und schreit, kommt jeder angerannt, ob groß oder klein, um ihm zu helfen, auch wenn sie wissen, dass er sie nicht braucht.
Der Inspektor ist Dein Verstand, der Basar ist Deine Gesinnung.
Und dieser schmutzige, betrügerische Gauner im Basar ist Dein Selbst.
Jeder ist verärgert über ihn.
Sie haben alle ihre Hemden verloren.
Sie sagen dieser Gauner verhext jeden.
Weil er ein begabter Zauberer ist, ist es schwierig, mit ihm zu handeln.
Das einzige Rentable, das wir tun können, ist sich von ihm fern zu halten.
Gehe stattdessen lieber zu dem größten der größten Orte.
Wir sollten dort Schutz nehmen mit unserem Sultan Shamseddin.
Er hat Augen in seinem Kopf sowie in seiner Seele.
Das Gesicht der Seele verwandelt sich durch ihn in Hunderte Schönheiten.
Wir sollten ihm über diesen Verräter und Gauner erzählen und um seine Hilfe bitten.
Er könnte uns alle von soviel Elend in einem einzigen Moment befreien.
Wenn die Giganten und Geister von seiner Größe wüssten, würden sie große Ergebene der Zeit.
Niemand kann befreit werden von der Dunkelheit dieses schrecklichen Selbst bis sie seine Hilfe annehmen wie eine Brise im Frühling.
Die Erde von Tabriz verwandelt sich in das heilige Land der Kaabe, nur durch ihn.
Der Segen, die Besucher von ihm erhalten reicht für jedermann.¹
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